Reiten im Schulsport in Kooperation mit der Grundschule Beselich

Neue AG seit Oktober 2009 mit der Vorklasse der Grundschule Beselich und der Klassenlehrerin Frau Jung-König!

Da die Idee vom Reiten im Schulsport von mir sehr kurzfristig und spontan an die Rektorin, Frau Wüst, herangetragen worden war, gab es anfangs kleinere Schwierigkeiten in der Stundenplanaufstellung. Geplant und gedacht war das Projekt ursprünglich für die Schüler der 4. Klassen, als Ersatz für den nicht mehr zu realisierenden Schwimmunterricht. Doch leider konnte auch für diese Altersstufe kein Plan für das Reiten erstellt werden. Deshalb erhielten nun die Schüler des 2. Schuljahres die Möglichkeit, mit der Erlaubnis der Eltern, statt am Sportunterricht oder Musikunterricht in den ersten Stunden am Donnerstag, am Reiten auf dem Weidenhof teilzunehmen.

Zunächst waren wir, der Vereins-Trainer C, Roger Egenolf und ich, Gabriele Sobotta (Berittführerin u. Trainerin C in der Ausbildung, sowie 1. Vorsitzende des oben angegebenen Vereins und Besitzerin der Schulponys) etwas skeptisch, ob es mit diesen noch sehr jungen Kindern klappen könnte, aber es hat hervorragend funktioniert.

Am 9.März 2006 erschienen um 8.00 h das erste Mal die Schüler der Grundschule Beselich vom 2. Schuljahr mit ihren Eltern auf dem Weidenhof. Von 12 angemeldeten Kindern konnten vorerst nur 7 teilnehmen, der Rest war aus Krankheitsgründen entschuldigt. Nach einem kurzen Info-Gespräch und einer kleinen Führung durch die Stallungen, fand im Reiterstübchen Theorieunterricht zur geschichtlichen Entwicklung des Pferdes statt und es wurden Maßnahmen zur Unfallverhütung mit dem Partner Pferd als Fluchttier besprochen. In dieser Zeit wurden die Ponys von einigen Vereinsmitgliedern schon für das Reiten geputzt, damit die Kinder auch am 1. Tag schon auf den Ponys reiten konnten. Die ersten 5 Mal bis zu den Osterferien hielten wir diese Theorie-Unterrichtseinheiten bei und verwendeten dabei das von der FN herausgegebene Heft für Grundschüler „Pferde“. Wir waren doch erstaunt wie viel die Kinder über die Pferde und Ponys wussten. Andererseits gab es auch wiederum viele Missverständnisse rund um das Pferd, die aufgeklärt werden mussten. Beim Reiten verzichteten wir bei den ersten Malen bewusst auf Sättel, damit die Kinder das Pony direkt erspüren konnten. Die Kinder mussten sich gegenseitig führen und ritten anfangs stets 3o min. im Schritt in der Halle hintereinander her.

Einigen Kindern fiel es anfangs sehr schwer, ohne Hilfe auf das Pony aufzusitzen, obwohl diese nur im Stockmaß zwischen 1,15 m und 1,44 m waren. Bis auf ein Mädchen, das sehr große Ängste am Anfang hatte, konnten bald alle sehr locker in der Bewegung im Gleichgewicht sitzen, neben dem ängstlichen Mädchen musste zunächst immer ein Erwachsener hergehen um es festzuhalten. (In der letzten Reitstunde traute sie sich sogar ihre ersten Galopprunden an der Longe!) Da es im März noch sehr kalt war, genossen es die Kinder sichtlich auf dem warmen Ponyrücken und wollten kaum mehr absteigen. Wir ließen die Kinder verschiedene gymnastische Übungen, wie Arme kreisen lassen, klatschen, sich drehen und zu den Füßen nach unten beugen und nach oben recken.

Am 6.4. war es sehr frühlingshaft draußen und die Presse hatte sich angekündigt. Dazu erschienen auch die Klassenlehrerin und die Rektorin. Alle Beteiligten wurden interviewt und der Reporter der Nassauischen Neuen Presse machte Fotos davon, wie die Kinder die Pferde striegelten und ritten. Dieses Mal konnten wir das 1. Mal auf dem Platz draußen reiten. (siehe beigefügten Artikel).

Nach den Osterferien kamen nur noch 10 Kinder, 2 waren abgemeldet worden, weil sie vorher schon zu viel krank waren. Im Stall gab es für die Kinder eine große Überraschung, zu Ostern war ein Welsh-Cob Stutfohlen geboren. So stand natürlich das Thema Fohlengeburt auf dem Stundenplan des Theorieunterrichts. Außerdem wurde nochmals alles wiederholt, was über das Verhalten mit dem Pony, über das Striegeln und die artgerechte Haltung des Pferdes als Lauf und Herdentier bisher gelehrt worden war. Einige Kinder berichteten sogar ganz stolz, dass sie sich in den Osterferien Pferdebücher aus der Bücherei geholt und gelesen hätten. Da wir im Mai noch eine Schulpraktikantin hatten, konnte diese den Kindern beim Putzen der Pferde helfen und auch beim Satteln, weil wir nun das Leicht-Traben mit Steigbügeln üben wollten. Inzwischen waren über die FN von der Firma Waldhausen auch die als Leihgabe gesponserten Reithelme geliefert worden, so dass wir nun zwischendurch mit den Kindern und Ponys auch geführte Ausritte durch die Wiesen und Felder unternahmen. Hier fiel es einigen Kindern doch noch schwer, bei unebenem Gelände im Gleichgewicht in einer Art Leichtem-Sitz, z.B. beim Bergauf-Reiten, den Rücken zu entlasten. Beim Leicht-Traben im Gelände hatten eher die Kinder, die führen mussten, Probleme im Gelände so schnell laufen zu können. Vom Pony aus konnten die Kinder über die reifenden Kornfelder blicken und so lernten sie während des Ausreitens, wie die einzelnen Getreidesorten heißen und welche Futtersorten für Pferde wichtig sind.

Ende Mai fand in der Schule eine Sitzung des Elternbeirates statt, zu der ich auch eingeladen worden war, da auf der Tagesordnung das Thema „Reiten im Schulsport“ stand. Nach einem kurzen Bericht meinerseits wurde unter den anwesenden Eltern nach kurzer Diskussion einstimmig darüber abgestimmt, dass das Reiten auch in Zukunft von der Schule in Zusammenarbeit mit dem Verein Pony- und Pferdesportfreunde Weidenhof e.V. angeboten werden sollte, unabhängig davon, ob das Schwimmen für die 4. Klassen noch einmal zustande kommen könnte oder nicht. Geplant wurde, dass nach den Sommerferien ca. zwei 4. Klassen aufgeteilt an 2 Tagen in der Woche für ein Schulhalbjahr zum Reiten kommen könnten, die andere Klassenhälfte könnte in dieser Zeit z.B. Arbeitslehre am Computer haben, da es dort auch nur 12 Plätze gibt. Sollte es wider Erwarten doch noch die Möglichkeit zum Schwimmunterricht geben, sollte die 2. oder 3. Klasse statt Sportunterricht für ein halbes Schuljahr zum Reiten gehen. Es wurde auch vom Elternbeirat befürwortet, dass Kinder aus finanziell schwachen Familien einen Zuschuss erhalten, falls der Betrag der Eigenbeteiligung nicht geleistet werden könnte. Nach soviel positivem Zuspruch machte uns die Arbeit mit den Kindern noch mehr Spaß, schließlich erkannten wir nun auch schon Fortschritte, das Striegeln verlief immer schneller, beim Leichttraben waren einige manchmal sogar schon auf dem richtigen Fuß, die Bahnfiguren klappten beim Führen immer besser und insgesamt tauten auch die vorher etwas zurückhaltenden und ängstlichen immer mehr auf. Beeindruckend fand ich, wie sich die Kinder untereinander halfen und Mut zusprachen. Nie wurde jemand ausgelacht, weil alle doch irgendwie Respekt und Achtung vor dem Pony hatten. Einige Eltern bestätigten uns, dass ihre Kinder sich verändert hätten, die „Draufgänger“ wären ruhiger geworden, die „Stillen“ hätten mehr Selbstvertrauen bekommen und auch im Schulunterricht aufgeschlossener mitgemacht. Kinder, die früher nie gelesen haben, würden nun Pferdebücher lesen und Kinder, die vorher nie freiwillig einen Stift in die Hand genommen haben, hätten nun Bilder von ihrem Lieblingspony gemalt.

Ganz große Begeisterung kam natürlich auf, als sich spontan das Fernseh-Team vom Hessischen Rundfunk anmeldete und am 8. Juni 06 für ca. 3 Stunden auf dem Weidenhof während des Schulreitens filmte und alle Kinder, Eltern, Lehrer und Ausbilder interviewten.

Nachdem Ende Juni in der Hessen-Schau der Beitrag ausgestrahlt worden war, erhielt ich mehrere Anrufe von Eltern, die Informationen wollten, wie sie in der Schule ihrer Kinder ebenfalls das Reiten einführen könnten.

Da an den Donnerstagen leider häufig Feiertage waren, musste das Reiten mehrere Male ausfallen, dafür erhielten die Kinder als Hausaufgabe auf, sich eine bestimmte Pony- oder Pferderasse genau anzusehen und darüber den anderen beim nächsten Mal zu berichten. Es gab hier natürlich keine Zensuren, aber einige hätten für ihre kleinen Referate bestimmt eine 1 verdient und wir konnten beobachten, dass Kinder noch besser zuhören, wenn ihnen ihre Altersgenossen etwas berichten. Ziel vieler Kinder war es, mal ganz allein, ohne Führung, selbst mit dem Zügel in der Hand das Pony zu lenken. So ritten die Kinder um Autoreifen und aufgestellte Eimer herum und stellten selber fest, dass man da sehr schnell reagieren muss, um die Zügel richtig nachfassen zu können und es leichter zu lenken ist, wenn man auch sein Gewicht und die Schenkel entsprechend verlagert.

Nach insgesamt 15 Doppelstunden rund um das Pferd konnten am letzten Tag vor den Sommerferien alle Kinder an der Longe auch noch die 3. Gangart, den Galopp ausprobieren. Dies stellte sich für die meisten als die Krönung des Ganzen heraus, denn voller Begeisterung wurde den abholenden Eltern dieses sagenhafte Gefühl versucht zu vermitteln.

2 Kinder haben sich gleich noch für 1 Woche Reiterferien auf unserem Hof angemeldet, einige andere Kinder wollen versuchen weiterhin auf dem Weidenhof Reitunterricht zu nehmen oder beim Voltigieren mitzumachen.

Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, herzlichen Dank an alle Helfer vom Verein und den älteren Schülern und der Praktikantin, die teilweise mitgeholfen haben, beim Striegeln, Satteln und Führen und mit dazu beigetragen haben, dass dieses Projekt ohne Unfälle durchgeführt werden konnte.